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Das Projekt

Im Rahmen des Familienbonus Plus will der Österreichische Staat 1,5 Milliarden Euro zugunsten Österreichischer Familien aufwenden. Durch den Familienbonus Plus sollen 1,2 Millionen Kinder in Österreich bis zu 1500 Euro pro Jahr und Kind erhalten.

Bei genauerer Betrachtung wird man feststellen: Familien, die diese Unterstützung am meisten brauchen, bekommen am wenigsten oder gar nichts. Nur besser, gut und sehr gut verdienende Familien können von der vollen Höhe des Familienbonus profitieren.

Warum ist das so?

Der Familienbonus Plus ist ein Steuerabsatzbetrag und kann somit nur von Personen beantragt werden, die Lohn- bzw. Einkommenssteuer bezahlen.

Dies bedeutet, dass alle Familien, die weniger als 1.100 (laut AK) Euro brutto im Monat verdienen, vom Bezug des Familienbonus Plus ausgeschlossen sind! Kinder, die in diesen Familien aufwachsen, gelten als arm bzw. armutsgefährdet. Das betrifft rund jedes sechste Kind in Österreich!

Es wird geschätzt, dass jeder vierte Haushalt den Familienbonus Plus nicht in vollem Umfang ausschöpfen kann, was in etwa 550.000 Kinder betrifft. Jeder zehnte österreichische Haushalt, das sind ca. 150.000 Kinder in den ärmsten Familien, gehen sogar völlig leer aus. Im Gegensatz zur Familienbeihilfe ist der Familienbonus Plus nämlich nicht negativsteuerfähig.

Konkreter: Arme oder armutsgefährdete Kinder gehen leer aus! Nur Kinder, deren Eltern ohnehin besser verdienen, werden unterstützt.

Unsere Kritik richtet sich gegen genau diese unsolidarische und absurde Verkehrung!

Jährlicher Bonus nach Einkommen

  • bis 1250 €
  • 1500 €
  • 2000 €
  • ab 3000 €

1 – 3 Kinder anspruchsberechtigt, Einkommen entspricht monatl. brutto Familieneinkommen. Quelle: Kontrast.at

Wer sind die Betroffenen?

Nicht nur Familien mit geringem Einkommen, sondern auch Familien, die bereits auf wohlfahrtsstaatliche Unterstützung angewiesen sind und ihren Lebensunterhalt mit Hilfe von Arbeitslosenversicherung, Notstandshilfe oder Mindestsicherung bestreiten müssen, erhalten keinen Familienbonus Plus.

Schaut man auch da noch einmal genauer hin, wird sichtbar, dass vor allem Frauen, Migrant*innen und Alleinerzieher*innen die Benachteiligten dieser staatlichen Förderung sind.
Studien¹ zeigen, dass Wohlfahrtssysteme, die an eine kontinuierliche Erwerbsarbeit gekoppelt sind, genau jene Bevölkerungsgruppen benachteiligt, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Sorgearbeit aus diesem kontinuierlichen Arbeitsmodell herausfallen.

Erziehungsarbeit ist Sorgearbeit und wird immer noch zum Großteil von Frauen geleistet. Dies zeigt auch die Statistik: Neun von zehn Alleinerzieher*innen in Österreich sind Frauen (APA 2018).

Hinzu kommt, dass Frauen aufgrund von Erziehungsarbeit öfter in Teilzeit arbeiten und darüber hinaus bei gleicher Beschäftigung systematisch weniger verdienen als Männer (fast 20%!).
Dies alles hat zur Folge, dass Frauen in der Regel einen geringeren bis gar keinen Anspruch auf Familienbonus-Zahlungen haben.

Dasselbe gilt für Migrant*innen, deren Medianeinkommen 20% geringer ist als das Österreichische Mittel. Unter Migrant*innen sind Frauen stärker betroffen als Männer, da nur 58% von ihnen einer Lohnarbeit nachgehen und damit die Möglichkeit haben, Steuerabsatzbeträge geltend zu machen².

Konkret: Frauen, Migrantinnen und Alleinerzieherinnen, die den Großteil der Sorgearbeit übernehmen, erhalten keine staatliche Unterstützung in Form des Familienbonus Plus

Unterstützung durch den Staat darf bereits bestehende Ungleichheit – aufgrund von Einkommen, Geschlecht, Herkunft oder Familienkonstellation – nicht verstärken und muss jenen zugutekommen, die sie brauchen!

Eine faire Umverteilung ist eine Umverteilung von Oben nach Unten!

¹ Fink, M., & Tálos, E. (2005). Flexibilisierung von Erwerbsarbeit–Defizite sozialstaatlicher Absicherung. Kronauer, M., Linne, G.: Flexicurity: Die Suche nach Sicherheit in der Flexibilität, Berlin, 385-419.

² Hajek, P., & Siegl, A. (2017). Integrationsbarometer 2017. Wien: Österreichischer Integrationsfonds.

³ Zwar sieht der Familienbonus Plus für geringverdienende Alleinerziehende bzw. Alleinverdienende den sogenannten Kindermehrbetrag vor, dieser beträgt jedoch nur maximal 250€ pro Kind und Jahr – weit unter der Unterstützung, die wohlhabende Familien bekommen.